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2012

Reportagen > Mountainbiking > 24h MTB Rennen

24H-MTB-RENNEN ALFSEE 2012

Bei

  • 16 unterschiedlichen Wettbewerben absolvieren

  • 531 Starterinnen und Starter

  • 7764 Runden a

  • 9,12 km in (mit Garmin Edge 800 gemessen)

  • 24 Stunden und legten dabei eine Gesamtstrecke von

  • 70807,68 km zurück



Das sind die beeindruckenden Zahlen der
zweiten Auflage des 24 Stunden MTB Rennen vom ALFSEE vom 2 und
3 Juni 2012

Unser Glückwunsch allen Gewinnern und Teilnehmern!


Wie schon berichtet, gestaltete sich die Formierung unseres Teams nicht ganz einfach.

Sportfreunde, die eigentlich zu 100 % ihre Teilnahme zugesagt hatten, fielen dann doch noch diverse Gründe ein um nicht an diesem Rennen teilzunehmen. Was nun? Nicht jeder traut sich die Teilnahme an einem Event dieser Dimension zu.

Dank der spontanen Zusage von Manuela Tietz, Köthener Hockeyfreunde werden sie als Leistungsträger der Damenmannschaft des HC Cöthen kennen, war es doch noch möglich ein 4er Mixed Team zu melden. Somit bestand das TEAM ANHALT, alle Crew Mitglieder haben ihre Wurzeln in Anhalt, aus folgenden Mitgliedern:

Manuela Tietz, Köthen/ Anhalt

Michael Hirschmann, Loburg/Anhalt

Heiko Nebelung, Reuden/ Anhalt

Heiko Kühnl, Dessau/ Anhalt

Teambetreuer: Claudia Kühnl, Thomas Jung



Das Equipment

Eigentlich fuhren alle Team-Mitglieder MTB der Marke

Steppenwolf

  • Manu ein Timber, SLX 9 fach , HS 33

  • Heiko N. ein Tundra, XT 9 fach , HS 33

  • Micha ein Tycoon SL , XT 9 fach, SRAM V-Brake


Die Ausnahme bildete

  • Heiko K. Er benutzte ein 29er Univega mit Carbonrahmen, XT 9-fach Ausstattung, DT-Swiss Laufrädern, MT 4 Bremsen.

  • Da bei diesem Rad ein 2012 Prototyp Rahmen verwendet wurde, ist ein genauerer Typ Bezeichnung nicht möglich.


Die Anreise

Die Anreise erfolgte individuell mit eigenem PKW. Heiko und Claudia waren allerdings schon gegen 14.00 Uhr vorort, um den geeigneten Stellplatz auf dem vorbildlich gestalteten und organisierten Zeltplatz des Alfsee zu belegen.

Alle anderen Team Mitglieder trafen im Laufe des Freitags ein.

Der Wettkampf

Samstag 11.00 Uhr
Gemeinsam gehen wir die Strecke ab. Sie wird als schwierig aber machbar eingestuft (ein Film ist in Arbeit). Einige Passagen werden von uns wohl aber nur per Pedes machbar sein

Samstag, ab ca. 12.00 Uhr:
Es wird im Kreis unserer Starter immer ruhiger und einsilbiger, nur die Toilettenbesuche mehren sich. Einzig unsere beiden Team Betreuer Claudia und Heike hatten immer noch ein kecken Spruch auf dem Lippen und versuchten mit liebevoll gebackenem Kuchen und viel Tee und Kaffee die Stimmung unter uns aufzuhellen. Etwas Aufregung gab es noch als es um die Startreihenfolge und die Taktik des Rennens ging. Nach kurzem Hin und her wurde schnell folgende Verein-barung getroffen. Gestartet wird in Reihenfolge der Meldung, zunächst wird nach jeder Runde gewechselt, ab 22.00 fährt jeder 2 Runden, um eine Nachtruhe von ca. 1,5 Stunden für jeden Starter zu ermöglichen.

Samstag, 13.25 Uhr:

Manuelas Lebensgefährte, Thomas ist noch angereist und wird unser Betreuer-Team mit verstärken.

Samstag ca. 16 Uhr:

Alles läuft nach Wunsch, die Rundenzeiten liegen zwischen 26 und 28 Minuten.

Samstag, ca. 20 Uhr:

Es gibt den ersten Dämpfer. Unser Team liegt an letzter Stelle der Wertung. Wir versuchen uns gegenseitig Mut zu machen. Mit Sprüchen wie: "dabei sein ist alles" und "nur der olympische Gedanke zählt" wird das Phrasen-Schwein arg gebeutelt. Wer aber die einzelnen Crewmitglieder besser kennt, weiß genau, dieses Ergebnis ist für keinen von uns zufriedenstellend.

Samstag, ca. 22.00 Uhr:

Unser Team läuft immer noch perfekt. Manu nimmt den ersten 2er Block in Angriff, es folgt Micha, Heiko N. gefolgt von Heiko K.

Samstag, ca. 01:00 Uhr:
Nach der ersten Doppelrunde durch Heiko N. wird die Taktik geändert. Um die individuelle Ruhephase jedes einzeln zu erhöhen, fährt in Folge jeder eine Doppelrunde. Die Müdigkeit macht auch vor unseren Betreuern kein Halt. Heike und Claudia haben sich eine Mütze Schlaf verdient. Thomas will aber noch einige Zeit die Kontrolle über unsere Wechseltätigkeit behalten. Penibel notiert er jede Wechselzeit und plant das nächste Wecken bzw. den kommenden Wechsel.

Sonntag, ca. 01:45:
Schreckminuten bei Heiko K. Seine Phillips Akku Lampe kann nach ca. 45 Minuten im 40 Lux Modus nur noch im 10 Lux Modus benutzt werden. Weitere 10 Minuten später ist auch damit Schluss, heißt ca. 10 Minuten im Blindflug weiter. Die Folge, Heiko K. knattert in eine Absperrung, zum Glück war es nur Trassier-Band, aber ein zusätzlicher Zeitverlust.

Sonntag, ca. 02:15 Uhr:

Auch bei Manu hat die Phillips denn Geist aufgegeben. Nur durch Zufall wird sie im Wechselgarten hilfesuchend durch H. K. erblickt. Was tun? Neue Lampe noch nicht geladen. Zum Glück ist Micha schon Startbereit. Schnell fliegt er in den Wechselraum und übernimmt von Manu. Er fährt auch spontan die zweite Runde von Manu und sichert somit den weiteren Ablauf der geplanten Wechsel. Zeitverlust dennoch ca. 10 Minuten

Sonntag, ca. 05:00 Uhr:

Der Morgen graut, es klart auf. Bei Temperaturen von 4 bis 6 Grad Celsius macht es alles andere als Spaß, mit unseren Rädern durch die Gegend zu gurken. Die vielen absolvierten km aller Starter, macht der Strecke zu schaffen. Im Waldstück werden die Löcher immer größer, die Deichauffahrten immer anstrengender. Die Schnelligkeit und anscheinende Leichtigkeit der vorbeifliegenden Mitstarter anderer Mannschaften trägt auch nicht gerade zur persönlichen Motivierung bei.

Sonntag, ca. 08:00 Uhr:

Obwohl letzter Platz so gut wie einzementiert zu sein scheint, steht nach wie vor fest: "das ist ein 24 h Rennen also wird auch 24 h gefahren".

Sonntag, 09:45Uhr:
Der vielen positiven Wettervorhersagen der letzten Tage zum Trotz, fängt es an zu regnen. Erst ganz langsam, dann immer kräftiger. Im Team gilt aber immer noch: "Egal, wir fahren weiter" . Nur bei Heiko K., bekennenden nicht im Regen-Fahrer, sinkt immer mehr die Lust sich zu quälen.

Sonntag, ca. 10.00 Uhr:
Manu schwingt sich auf zur letzten Doppelrunde. Trotz aller Umstände motiviert bis in die Zehenspitzen schwingt sie sich auf ihr Steppenwolf und zieht Ihre Kreise.

Sonntag, ca. 11.00 Uhr:

Michael, angesteckt von Manu gibt noch mal alles und fährt die letzten zwei Runden in noch je 28 min., keiner von uns macht sich noch Gedanken um Zeit und Platzierung.

Sonntag, ca. 11.56 Uhr:
Heiko N, gezeichnet von den Strapazen der letzten Stunden und dem sich ständig verstärkenden Niederschlägen, steigt in seine letzten Runden ein. Heiko K. hat bei allen Team Mitgliedern um Verständnis gebeten. Er will im Anschluss an Heiko N. nur noch eine Runde fahren. Schluss und aus die Knien schmerzen, er hat Rücken usw.

Sonntag, 12.59 Uhr :
Heiko N, hat trotz der Witterung, noch mal das letzte aus sich raus geholt, sich durch die matschigen Anstiege gequält und so sehr gehassten Gerüstbrücken hoch geangelt, um an Heiko K. zu übergeben. Heiko K. macht sich auf seine letzte Runde, immer hoffend zu langsam zu sein, um noch mal los zu müssen, dennoch geplagt von Gewissensbissen. Alle haben sie sich für das Team verausgabt und sind an ihre Grenzen gegangen und ich will einfach nur eine Runde fahren und mich ergeben?


Auf der Strecke macht man sich gegenseitig Mut, erklimmt gemeinsam nochmals die sich dem Regen ergebenden Anstiege und Singletrails im Waldstück. Immer in der Hoffnung in den letzten Minuten nicht noch aufs Maul zu fallen. Ich erklimme die Gerüstbrücke. Im sich anschließenden Zeitnahme-bereich hängt eine Uhr, noch 30:15 bis Ultimo. Zu allem Unglück schreit Manu mich an: "Noch eine Runde und wir sind nicht Letzter".
Was noch eine Runde und nicht Letzter? Ungläubig trete ich weiter, was denn nun?
Aufgegeben, wegen 30 Minuten und 15 Sekunden. Also noch mal Alles und weiter, scheiß auf die Knie, scheiß auf die Bandscheiben nur die Mannschaft zählt. Schon nach dem Wechselraum rechne ich mir aus, welche Hindernisse ich noch erfahren kann um Zeit zu schinden. Die erste Gerüstbrücke zum Singletrail noch mal hoch, geschafft. Der Anstieg zum Waldstück, schwer aber machbar. Die Birke im Waldstücke absteigen, nur nicht auf die Schnauze fallen. Aufsteigen, langsam aber mit Druck weiter. Nun die Sandlöcher vorsichtig, stetig weiter. Die erste Bachquerung war bisher kein Problem Abfahrt vorsichtig doch mit Druck. Brücke, rauf zur Straße. Weiter bis zum ersten Deichanstieg, zu schmierig, zu glatt so schnell wie möglich rauf laufen. Dank der MTB Schuhe kein Problem. Andere nehmen diese Passage nur noch auf allen Vieren. Rasenabfahrt verquer zur Deichstraße. Alles quackenass egal Feuer. Weiter zur zweiten Zeitnahme. Hoch, runter alles Egal, diese eine Runde noch und wir sind nicht mehr letzter.
Verdammt, dieser Regen. Alles rund um die Kette und Schaltung nur ein Gewimmer und Gejaule. Hoffentlich hält der Mist! Nun der kurze Anstieg nach dem Überlaufdamm. Geschwindigkeit aufnehmen und am Anstieg sofort wieder runter schalten und treeeeten, geschafft. Weiter zur schwierigsten Passage, der Deichwelle. Grasabfahrt runter, zur Absperrung links halten, rechte Absperrung ansteuern, runter schalten und wieder ., verdammt, also runter vom Rad. Längst ist man als Schieber in guter Gesellschaft! Oben angekommen zweite Deichab- bzw. -auffahrt, noch mal dasselbe Spiel. Ich weiß einfach nicht, wie ich hier fahren soll wieder schieben. Weiter zur vorletzten Gerüstbrücke die hast du ja immer geschafft noch mal dicke Backen. Das letzte Mal schieben, das letzte Mal den Deich rauf, vielleicht schaffst du es doch zu fahren. Geschwindigkeit von der Gerüstbrücke mitnehmen und tre , verdammt Kettenklemmer. Runter vom Rad und wiedermal, richtig, schiiiiieben. Oben angekommen, Kette auflegen, Zahnkränze kontrollieren und weiter zur letzten Bachquerung. Zuvor noch mal querab runter vom Deich, verdammt ist das rutschig und wie die Bremsen jaulen! Die Bachquerung, 90° vorab zur Straße. Rad einfach rollen lassen und den kurzen Anstieg rauf, weiter scharf rechts durch den sandigen Deichdurchbruch. Doch diesmal Pech versteuert und bautz, schon liegt der Schmale im Dreck. Was soll s, weiter. Zum letzten Mal über diese letzte Stück Grün, welches man schon lange nicht mehr als Rasen bezeichnet und jedes Grasbüschel das für jeden Rückenwirbel bis zum Ars nur auf die Fahrer zu warten scheint, um einfach nur noch zu quälen. Jetzt weiter zur letzten Gerüstbrücke im Zieleinlauf- Geschwindigkeit aufnehmen treten rauf runter. Verdammt, wo kommt in aller Welt dieses kreischende und klatschende Volk her.
Raus aus dem Zieleinlauf, das Gefühl gähnender Leere. Anscheinend von allen verlassen, schiebe ich mein Bike zum Zeltplatz . Das war es also nur noch Leere.
Doch dann kommt Claudia. Küsst mich, gratuliert, küsst mich. Auf einmal ist das Team vereint. Wir umarmen uns, feiern uns und feiern unseren 7. Platz als hätten wir den Sieg errungen.

Schon sind alle Anstrengungen, alle Zweifel verflogen.

Pahh.., Rote Laterne? -  nie gehabt!!


2013 ?
Mal sehen
und wenn, dann machen wir alles anders und natürlich alles besser!!!



Fazit:



Manch einer der Leser wird sich fragen: Was soll denn das, nennen sich TEAM ANHALT, machen in Ihrer Kategorie nur den Vorletzen und lassen sich dafür auch noch feiern.

All denen zur Gedankenübung, das beliebte "was wäre wenn?"

Wäre Manuele Tietz in der MTB Einzelwertung Frauen angetreten, sie wäre mindestens Deutsche Vizemeisterin gewesen und sie hätte es verdient!

Wäre unser Team in der "Vierer Wertung Männer" angetreten, wir hätten Platz 33 vom 41 teilnehmenden Mannschaften- und alle hätten gesagt: immerhin

Hätte unser Team an der Firmenwertung teilgenommen, hätten wir mit 48 Runden den 11. Platz von 15 startenden Mannschaften belegt- und alle hätten gesagt: auch gut

All denen möchte ich folgendes mitteilen:

Jeder von uns wird sagen: Mein Team, unsere Mannschaft hat den 7. Platz verdient. Wir haben diese Platzierung redlich erkämpft. Wir waren - > wir sind ein Team. Dies ist ein Sieg, weil wir über uns gesiegt haben, weil wir an uns geglaubt haben und diese Erfahrung kann uns keiner mehr nehmen!
Danke:



Im Namen unserer Mannschafft, des Teams ANHALT, erlaube ich mir stellvertretend zu sagen:


  • Danke, allen Mitgliedern des TUS Bramsche


  • Danke, allen fleißigen Helfern um Herrn Reinkemeier-Ley


  • Danke, allen Angestellten des Alfsee - Zeltplatzes, welche immer für vorbildlich saubere Anlagen auf und um den Platz sorgten


  • Danke, allen Helfern im Verborgenen, die wir nie zu sehen bekommen.





Heiko Kühnl, Juni 2012

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